{"id":7704,"date":"2021-04-22T12:37:04","date_gmt":"2021-04-22T10:37:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bonnalliance-icb.de\/?p=7704"},"modified":"2021-04-23T11:19:59","modified_gmt":"2021-04-23T09:19:59","slug":"auf-in-die-gruenen-zwanziger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bonnalliance.de\/de\/2021\/04\/auf-in-die-gruenen-zwanziger\/","title":{"rendered":"Auf in die \u201egr\u00fcnen Zwanziger\u201c!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bauer, Steffen<br>Die aktuelle Kolumne (2021)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">German Development Institute \/ Deutsches Institut f\u00fcr Entwicklungspolitik (DIE), Die aktuelle Kolumne vom 19.04.2021<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Earth Day am 22. April steht in diesem Jahr unter dem Motto \u201eRestore Our Earth!\u201c, also der Aufforderung, unsere Erde wieder in Stand zu setzen. Dies kann nicht an einem einzelnen Aktionstag gelingen. Nach <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2021\/02\/1085382\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Einsch\u00e4tzung von UN-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres<\/a> und den einschl\u00e4gigen wissenschaftlichen Sachstandsberichten bleibt der Menschheit ein knappes Jahrzehnt, um die entsprechenden Ma\u00dfnahmen zu ergreifen. Galten die 1920er Jahre des vergangenen Jahrhunderts aus einer westlich dominierten Weltsicht wahlweise als \u201eann\u00e9es folles\u201c, als \u201eroaring twenties\u201c oder als \u201egoldene Zwanziger\u201c, k\u00f6nnte die nun vor uns liegende Dekade als \u201egr\u00fcne Zwanziger\u201c in die Geschichte eingehen \u2013 und dies durchaus aus globaler Perspektive!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Chancen daf\u00fcr stehen besser, als noch vor wenigen Jahren gedacht. Die Agenda 2030 f\u00fcr nachhaltige Entwicklung und das Pariser Klimaabkommen geben den Regierungen weltweit die normativen Grundlagen sowie explizite politische Mandate und Zielvorgaben, um die Zukunft entsprechend zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der angestrebte Wandel ist nicht nur ethisch geboten. Strukturelle \u00f6konomische Notwendigkeiten sprechen sowohl in wohlhabenden Industrienationen als auch in aufstrebenden Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern noch st\u00e4rker daf\u00fcr als ein wom\u00f6glich kurzlebiger Zeitgeist. Zudem gibt es einen betr\u00e4chtlichen Vorlauf: Seit dem offiziell ersten Earth Day von 1990 wurden nachhaltige Entwicklung als Paradigma der internationalen Zusammenarbeit und die Bek\u00e4mpfung des Klimawandels als zentrales Thema auf der internationalen politischen Agenda verankert. Es ist also kein historischer Zufall, dass Agenda 2030 und Pariser Abkommen gleichsam den internationalen Handlungsrahmen f\u00fcr die 2020er Jahre strukturieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Pariser Abkommen erfordert nicht nur, die globale Erw\u00e4rmung zu bremsen, sondern auch den mit dem Klimawandel einhergehenden Risiken zu begegnen und die globalen Finanzfl\u00fcsse dahingehend konsequent umzugestalten. Die Agenda 2030 bietet den Rahmen f\u00fcr 17 konkrete Ziele f\u00fcr nachhaltige Entwicklung (SDGs), die universell gelten und dabei <a href=\"https:\/\/unsdg.un.org\/2030-agenda\/universal-values\/leave-no-one-behind\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">niemanden zur\u00fccklassen<\/a> sollen \u2013 verbunden mit dem expliziten Anspruch, eben diese Ziele bis zum Jahr 2030 zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die COVID-19-Pandemie hat diese Anstrengungen zur\u00fcckgeworfen. <a href=\"https:\/\/unstats.un.org\/sdgs\/report\/2020\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Messbar untergr\u00e4bt sie die sozio\u00f6konomischen Entwicklungserfolge<\/a> der Vorjahre. Sie \u00fcberfordert Gesundheitssysteme und verst\u00e4rkt die Auswirkungen paralleler Krisen, deren vielf\u00e4ltige Ursachen D\u00fcrrekatastrophen, Heuschreckenplagen und Gewaltkonflikte einschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich bietet die globale Reaktion auf \u201eCorona\u201c gro\u00dfe Chancen, strukturelle Ma\u00dfnahmen f\u00fcr einen transformativen Wandel voranzutreiben und deren Schubkraft zu verst\u00e4rken. Entscheidend f\u00fcr das Gelingen ist, dass die billionenschweren Konjunkturpakete als Hebel sozial-\u00f6kologischer Kurskorrekturen angesetzt werden und nicht \u2013 wie nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008\/2009 \u2013prim\u00e4r auf die Wiederherstellung des Status quo ante zielen. An den n\u00f6tigen Mitteln d\u00fcrfte es dabei nicht fehlen: Schon im Oktober 2020 entsprachen die weltweit zugesagten Konjunkturhilfen bereits <a href=\"https:\/\/science.sciencemag.org\/content\/370\/6514\/298.abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">grob dem Dreifachen<\/a> der Krisenreaktion von 2008\/2009.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei f\u00fchrt uns die Corona-Pandemie drastisch vor Augen, dass die integrierte Betrachtung komplexer Wirkungszusammenh\u00e4nge nicht dem Wunsch nach wissenschaftlicher Selbstbesch\u00e4ftigung entspringt, sondern materielle Realit\u00e4ten abbildet. Konjunkturpakete mit sozial-\u00f6kologischen Zielen zu verkn\u00fcpfen bedeutet auch, die nationalen Klimaziele mit den SDGs zu verzahnen und Handlungsfelder zu priorisieren, die eine hohe katalytische Wirkung erwarten lassen: Erneuerbare Energien, der Schutz von Biodiversit\u00e4t, Land- und Wasserressourcen und emissionsarme Infrastrukturen, speziell in der Stadtentwicklung. Auch die Notwendigkeit, die landwirtschaftliche Produktion derart zu steigern, dass die Ern\u00e4hrung einer wachsenden Weltbev\u00f6lkerung gesichert und zugleich landwirtschaftliche Treibhausgasemissionen gemindert werden, um einen Klimawandel zu verhindern, der wiederum die landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen untergr\u00e4bt, ist exemplarisch f\u00fcr die Komplexit\u00e4t der Zusammenh\u00e4nge. Hier zeigt sich <a href=\"https:\/\/klimalog.die-gdi.de\/ndc-sdg\/sdg\/2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">eines der zentralen Spannungsfelder zwischen nachhaltiger Entwicklung und Klimapolitik<\/a>, die ihrerseits auf funktionst\u00fcchtige Landressourcen und Kohlenstoffsenken angewiesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die unl\u00e4ngst ver\u00f6ffentlichte und umfassend \u00fcberarbeitete <a href=\"https:\/\/www.nachhaltigkeitsrat.de\/aktuelles\/nachhaltigkeitsstrategie-generalueberholt-nachhaltigkeitsrat-begruesst-neuen-fokus-auf-die-grossen-transformationsthemen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie<\/a> wie auch <a href=\"https:\/\/www.die-gdi.de\/externe-publikationen\/article\/mind-the-gap-sketching-the-relevance-of-the-2030-agenda-for-the-green-deal-and-other-key-eu-policies-in-the-context-of-the-covid-19-crisis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">der europ\u00e4ische \u201eGreen Deal\u201c<\/a> weisen genau in die Richtung eines solchen integrierten Politikverst\u00e4ndnisses. Gelingt es, derartige Strategien unter dem Eindruck der Corona-Krise mit Leben zu f\u00fcllen und die bislang vorherrschende Diskrepanz zwischen Einsicht und Handeln zu \u00fcberwinden, spricht vieles daf\u00fcr, dass wir zumindest am Beginn des \u201egr\u00fcnsten\u201c Jahrzehnts stehen, das die Welt seit Beginn der Industrialisierung gesehen hat. Das hei\u00dft nicht, dass der ben\u00f6tigte Wandel zum Selbstl\u00e4ufer wird. Um den Klimawandel zu bremsen und die SDGs zu erreichen, m\u00fcssen Regierungen und Gesellschaften die verf\u00fcgbaren Hebel konsequent nutzen. Dabei bleibt keine Zeit zu verlieren, denn auch das gr\u00fcnste Jahrzehnt wird immer nur ein Herzschlag der Zeitgeschichte sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.die-gdi.de\/die-aktuelle-kolumne\/article\/auf-in-die-gruenen-zwanziger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hier geht&#8217;s zum Download<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Earth Day am 22. April steht in diesem Jahr unter dem Motto \u201eRestore Our Earth!\u201c, also der Aufforderung, unsere Erde wieder in Stand zu setzen. Dies kann nicht an einem einzelnen Aktionstag gelingen. Nach Einsch\u00e4tzung von UN-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres und den einschl\u00e4gigen wissenschaftlichen Sachstandsberichten bleibt der Menschheit ein knappes Jahrzehnt, um die entsprechenden Ma\u00dfnahmen zu ergreifen. 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